Struktur-Wirkungsdenken   Einleitung   Kapitel 2  
Bernd Jastorff      unter Mitarbeit von Reinhold Störmann und Uwe Wölcke

Dieses Logo zeigt das zentrale Dreieck aus Molekularen Wechselwirkungen, Chemischer Topologie und Chemischer Reaktivität

Kapitel 1

Chemie im Abseits?

Katastrophenchemikalien

Chemikalien, die das Ansehen der Chemie in der öffentlichen Meinung nachhaltig geschädigt haben

Die synthetische Chemie hat bereits vor dem 2. Weltkrieg, aber vor allem auch danach eine rasante Entwicklung erlebt. Fasziniert von den schier unerschöpflichen Möglichkeiten dieser Wissenschaft blieb das Schicksal der Stoffe und deren Auswirkung für Mensch und Umwelt zumindest von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet.

Durch die sich allmählich einstellenden und beobachteten Schäden, vor allem aber durch Katastrophen wie Contergan 1961, Seveso 1976 und Bhopal 1984, stieg die gesellschaftliche Besorgnis über die Auswirkungen anthropogener Stoffe, während die durch die Chemie errungenen zivilisatorischen Fortschritte als selbstverständlich galten.

"Die Chemie" geriet ins Abseits.
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Ausgehend vom Begriff der Nachhaltigkeit und seiner Operationalisierung für die Chemie beschreibt das vorliegende Buch systematische Analysen von Strukturformeln sowie Struktur-Wirkungsbeziehungen als eine Voraussetzung zur Entwicklung neuer Stoffe mit reduziertem Risikopotenzial für Mensch und Umwelt. Aus Gründen des Umfangs bleiben andere Aspekte der Nachhaltigkeit neben dem der Risikoverminderung unberücksichtigt.
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Die Analyse der Wechselwirkungen von Stoffen mit biologischen Systemen ist nicht nur eine wichtige Methode zur Entwicklung eigensicherer Stoffe, weil sie zur Hypothesenbildung befähigt. Sie ist auch, nach unserer Auffassung, ein didaktisch besonders geeignetes Instrument, um Chemikern den Zugang zu den Wirkungswissenschaften Biologie, Pharmakologie, Toxikologie und Ökotoxikologie zu öffnen sowie zur interdisziplinären Zusammenarbeit mit diesen Disziplinen.

Damit wird dem angehenden Chemiker exemplarisch die Notwendigkeit, aber auch die Chance interdisziplinären Arbeitens und transdisziplinären Denkens aufgezeigt, als zentrale Voraussetzung für die Entwicklung einer nachhaltigen Chemie.

Auch eröffnen sich neue Möglichkeiten für Methodenentwicklungen auf seinem eigenen Gebiet und erweiterte Spielräume im Hinblick auf die o. g. Wirkungswissenschaften.

In diesem Sinne versteht sich unser Buch als Ergänzung zu den klassischen Lehrbüchern der Chemie.